Kündigungswelle nach der Probezeit? Wie Unternehmen sich selbst schaden, ohne es zu merken
Ein häufig unterschätztes Problem
Viele Unternehmen investieren viel Zeit und Geld in die Rekrutierung neuer Mitarbeitender – nur um dann festzustellen, dass ein großer Teil nach der Probezeit wieder geht. Die hohe Fluktuation nach sechs Monaten ist für viele Arbeitgeber frustrierend, führt zu Produktivitätsverlusten und verursacht hohe Kosten.
Doch was sind die wahren Gründe, warum neue Mitarbeitende schnell kündigen? Häufig liegt es nicht an den Mitarbeitenden selbst, sondern an internen Prozessen, die sie unbewusst vertreiben. In diesem Artikel analysieren wir die Hauptursachen für hohe Kündigungsraten nach der Probezeit und zeigen, wie Unternehmen ihre Strukturen verbessern können, um langfristige Bindungen zu schaffen.
👉 Die Top-Gründe, warum neue Mitarbeitende nach wenigen Monaten wieder gehen
Fehlende Einarbeitung & schlechte Onboarding-Prozesse
Ein unstrukturierter oder fehlender Onboarding-Prozess ist einer der Hauptgründe, warum neue Mitarbeitende sich schnell entfremdet fühlen.
Unklare Erwartungen: Viele Neueinsteiger wissen nicht genau, was von ihnen erwartet wird.
Mangel an Schulungen: Ohne klare Einarbeitungspläne fühlen sich neue Mitarbeitende oft überfordert.
Kein Ansprechpartner: Ohne eine feste Ansprechperson bleiben viele Fragen unbeantwortet.
Lösung:
Ein klar strukturierter Onboarding-Plan mit festen Ansprechpartnern.
Regelmäßige Feedbackgespräche in den ersten Monaten.
Schulungen, die nicht nur Fachwissen vermitteln, sondern auch die Unternehmenskultur näherbringen.
2. Kulturelles Mismatch zwischen Mitarbeitenden und Unternehmen
Ein häufiger Fehler ist, dass Unternehmen bei der Einstellung nur auf die fachlichen Qualifikationen achten, aber nicht prüfen, ob die Werte der neuen Mitarbeitenden mit der Unternehmenskultur übereinstimmen.
Unrealistische Erwartungen: Wenn die Realität im Unternehmen nicht zu dem passt, was im Vorstellungsgespräch vermittelt wurde, steigt die Unzufriedenheit.
Keine Integration ins Team: Neue Mitarbeitende fühlen sich schnell isoliert, wenn sie nicht richtig ins Team eingebunden werden.
Unternehmenskultur nur als Buzzword: Wenn Werte nur auf der Website existieren, aber nicht aktiv gelebt werden, verlieren neue Mitarbeitende schnell das Vertrauen.
Lösung:
Bereits im Recruiting-Prozess gezielt nach kultureller Passung suchen.
Einen strukturierten Plan für die soziale Integration neuer Mitarbeitender entwickeln.
Führungskräfte sollten aktiv darauf achten, neue Mitarbeitende ins Team einzubinden.
3. Fehlende Wertschätzung & mangelndes Feedback
Mitarbeitende möchten sich wertgeschätzt fühlen – und das nicht erst nach einem Jahr Betriebszugehörigkeit. Ein häufiger Kündigungsgrund ist das Gefühl, nicht gesehen oder ernst genommen zu werden.
Kein regelmäßiges Feedback: Wenn neue Mitarbeitende nicht wissen, ob sie gute Arbeit leisten, fühlen sie sich orientierungslos.
Fehlende Anerkennung: Wer sich nicht geschätzt fühlt, sucht sich schnell eine neue Herausforderung.
Einseitige Kommunikation: Wenn nur Kritik kommt, aber keine konstruktiven Verbesserungsvorschläge, wirkt das demotivierend.
Lösung:
Regelmäßige Feedbackgespräche ab dem ersten Monat.
Anerkennung für kleine und große Erfolge – nicht nur nach großen Projekten.
Eine offene Unternehmenskultur, in der ehrliche Kommunikation gefördert wird.
4. Zu hohe Erwartungen in kurzer Zeit
Oft erwarten Unternehmen, dass neue Mitarbeitende innerhalb weniger Wochen auf Höchstleistung laufen. Das ist jedoch nicht realistisch – eine gute Einarbeitung braucht Zeit.
Überforderung durch zu schnelle Aufgabenübergabe.
Keine Geduld für Lernprozesse.
Erwartung, dass neue Mitarbeitende sofort eigenständig arbeiten.
Lösung:
Klare Lernphasen definieren, um Druck zu reduzieren.
Aufgaben schrittweise übergeben.
Realistische Ziele für die ersten Monate setzen.
Wie Unternehmen das Problem langfristig lösen können
Ein starkes Onboarding-Programm etablieren
Eine Studie von Glassdoor zeigt, dass Unternehmen mit einem effektiven Onboarding-Programm ihre Mitarbeiterbindung um bis zu 82 % verbessern können. Ein durchdachtes Programm könnte enthalten:
Eine strukturierte Einarbeitungsphase mit klaren Zielen.
Ein Mentor-Programm, bei dem neue Mitarbeitende von erfahrenen Kollegen begleitet werden.
Regelmäßige Gespräche mit der Führungskraft, um offene Fragen zu klären und Erwartungen abzugleichen.
Führungskräfte besser schulen
Viele Kündigungen hängen mit schlechter Führung zusammen. Häufig sind es nicht die Aufgaben, die neue Mitarbeitende vertreiben, sondern der Umgang mit Vorgesetzten.
Schlechte Kommunikation: Führungskräfte nehmen sich nicht genug Zeit für neue Teammitglieder.
Mangel an Empathie: Zu wenig Verständnis für Herausforderungen neuer Mitarbeitender.
Zu viel Kontrolle oder zu wenig Unterstützung: Mikromanagement oder fehlende Hilfestellungen führen beide zu Frustration.
Lösung:
Führungskräfte sollten gezielt in Mitarbeiterführung geschult werden.
Regelmäßige Feedbackgespräche zwischen Mitarbeitenden und Vorgesetzten.
Eine offene Fehlerkultur, die konstruktive Kritik ermöglicht.
Arbeitsbedingungen flexibel und attraktiv gestalten
Die heutige Arbeitswelt verändert sich rasant. Unternehmen, die nicht flexibel sind, verlieren Talente schneller als sie neue einstellen können.
Homeoffice & flexible Arbeitszeiten: Besonders für die Generation Z und Millennials entscheidend.
Individuelle Entwicklungsmöglichkeiten: Karrierewege aufzeigen, anstatt nur feste Positionen zu bieten.
Gesunde Work-Life-Balance: Übermäßiger Druck führt langfristig zu hoher Fluktuation.
Kündigungen nach der Probezeit sind oft hausgemacht
Eine hohe Fluktuation nach der Probezeit ist selten ein Zufall. Unternehmen, die ihre internen Prozesse optimieren und neue Mitarbeitende aktiv begleiten, können Kündigungswellen vermeiden.
Es lohnt sich, frühzeitig in gutes Onboarding, wertschätzende Führung und realistische Erwartungen zu investieren – denn wer Mitarbeitende langfristig halten will, sollte ihnen von Anfang an das Gefühl geben, am richtigen Ort zu sein.
FAQ: Häufige Fragen zur Fluktuation nach der Probezeit
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Oft liegt es an schlechtem Onboarding, unrealistischen Erwartungen oder mangelnder Wertschätzung.
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Strukturierte Einarbeitung, wertschätzende Führung und flexible Arbeitsmodelle helfen, Mitarbeitende langfristig zu binden.
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Mindestens 3 bis 6 Monate, mit regelmäßigen Check-ins und Feedbackgesprächen.